CCS7 - was ist das?

Historie
"CCS" steht für "Call Connection Service". Das System wurde vor einigen Jahren als Optimierung des "G2 Callsign Routings" entwickelt, was die Icom DSTAR Systeme für den gezielten Aufbau von Verbindungen zu einem bestimmten Gesprächspartner verwenden, und auch zur Erweiterung des Callsign-Routings auf Eigenbaurepeater, Hotspots und private Modems in einem offenen Netzwerk.
CCS kann mit Rufzeichen verwendet werden, es sieht jedoch auch die Verwendung von numerischen CCS-IDs vor, die komfortabel per DTMF eingegeben werden können.
Als dazu die CCS-ID für DSTAR eingeführt wurde, hatte niemand damit gerechnet, dass sie eine so grosse Verbreitung finden würde wie wir sie heute vorfinden.
Es gab viele Gegner, die Argumente wie "im Amateurfunk nutzt man Rufzeichen, die kennt jeder, keine Nummern", "Callsign-Routing funktioniert gut genug" und andere vorbrachten.
Das Ganze war anfangs in erster Linie auf den Deutsch-sprachigen Raum begrenzt, wo sich auch die DCS-Reflectoren verbreitet hatten.
Das CCS "Callsign Routing" und das DCS-Reflector-System bilden eine eng verbundene Einheit, so stellt das CCS-System eine Verbindung zu einem Ziel her, indem es die betroffenen Repeater nach dem DCS-Reflector-Konzept miteinander verbindet.
Für die DTMF-Steuerung wurde ein 4-stelliger numerischer Code festgelegt, den man sich relativ leicht merken kann.
Die damit zur Verfügung stehende Anzahl von 9000 CCS-IDs sollte für den geplanten Einsatz erstmal ausreichen.
Dem war dann irgendwann nicht mehr so, denn der Weg über DTMF wurde schnell zum beliebtesten Verfahren.
Die vielen Vorteile des CCS-Systems gegenüber dem klassischen Callsign-Routing,
- bei dem man blind Aussendungen über ferne Repeater sendet ohne zu wissen ob dort jemand spricht,
- wo der adressierte Gesprächspartner selbst innnerhalb eines engen Zeitrahmens aktiv werden muss um das Gespräch anzunehmen,
- bei dem Reflectorbetrieb auf beiden Seiten durch einseitige "Phantom-QSOs" gestört wird,
- und das einfache Handling von DTMF-Codes vor allem im Mobilbetrieb gegenüber der Eingabe von Rufzeichen auf Mobil- und Handfunkgeräten,
führten zu einer weiten Akzeptanz.

Als dann Anfang 2015 nach Störfällen des DCS-Reflector-Systems die CCS-Registrierung auf einigen Reflectoren auch noch zur grundlegenden Authentifizierung eingeführt wurde, war der Adressbereich endgültig am Ende, es waren keine freien IDs für neue DSTAR-Nutzer mehr verfügbar.
Zur Schaffung freier Adressen für aktive Benutzer mussten aus der Not heraus mehrfach Adressen inaktiver Benutzer gelöscht und neu vergeben werden.
Es ist nun an der Zeit ein neues System mit mehr Adressraum ein zu führen.
Den Plan gab es schon 2014, jedoch hatte uns der grosse Aufwand für alle Software- Entwickler, die CCS-Interfaces anbieten, bisher immer abgeschreckt.
Jetzt geht es nicht mehr anders, es führt kein Weg mehr daran vorbei!

CCS7
Nun könnte man sich etwas komplett Neues ausdenken, ein neues Nummernsystem, neue Datenbanken aufbauen, neue Registrierungssysteme entwicklen, neue Admins finden, die das Ganze pflegen, neue Fehler und neue Probleme, neue Verwirrung für Benutzer...
Man kann aber auch ein etabliertes System nutzen, was mit ausreichend Hirnschmalz konzipiert wurde und sich seit Jahren bewährt hat.
Bei der Einführung des Digitalen Sprachübertragungsverfahrens "DMR" im Amateurfunk stiess man auf das Problem, dass dieses System anders als DSTAR nicht speziell für den Amateurfunk entwickelt wurde. So lässt das bei DMR verwendete und nach ETSI-standardisierte Protokoll z.B. keine alphanumerischen Werte für die Identifizierung und das Routing im Header zu. Die MARC-Gruppe, die das erste DMR-Netzwerk aufbaute, hat deshalb ein numerisches System festgelegt, was auf dem "ITU Mobile Country Code" (MCC) basiert.
Viele Fernmeldebehörden weltweit erlauben inzwischen die Nutzung dieses Systems unter der Voraussetzung, dass die Zuordnung von ID und Rufzeichen eindeutig festgelegt und für jeden öffentlich einsehbar ist.
Der zugrunde liegende MCC wird in vielen kommerziellen Netzen eingesetzt, wie z.B. in GSM-Netzen und Co.
Das Nummernsystem ist hierachisch aufgebaut, die erste Ziffer repräsentiert den Kontinent (2=Europa,3=Nord-Amerika,4=Asien, 5=Australien/Ozeanien,6=Afrika,7=Süd-Amerika).
Die ersten 3 Ziffern kennzeichnen das Land, so steht z.B. 228 für die Schweiz, 232 für Österreich, 262 für Deutschland.
Hinter dem MCC verwendet man in den Amateurfunk-DMR-Netzen einen 4-stelligen Code für Benutzer und einen 3-stelligen für Repeater.
In einigen Ländern ist dieser Teil noch weiter untergliedert, so steht die Ziffer nach dem MCC z.B. oft für das Bundesland/den Kanton oder andere Regionen.

Weitere Infos zum ITU-MCC findet man z.B. bei Wikipedia und bei der ITU.
Eine komplette Liste der im Amateurfunk verwendeten ITU-MCC nach Landeskenner findet man hier, eine Liste mit einer im Amateurfunk vorgenommen weiteren Untergliederung hier.

Mit diesem System stehen aktuell pro Land fast 10000 IDs zur Verfügung, also erheblich mehr als bisher.
Bei aktuell 45000 am US-Trust registrierten DSTAR-Benutzern weltweit (3100 in DL, incl. aller Karteileichen aus fast 10 Jahren) und weltweit aktuell etwa 16000 DMR-Registrierungen (2000 in DL) sollte das erstmal ausreichen. Eventuell muss man auf die eine oder andere Untergliederung innerhalb eines Landes, die die Bereiche zum Teil ohne jeden Nutzen unnötig einschränken, irgendwann mal verzichten.
Dieser dann 7-stellige Adressbereich für Benutzer-IDs bringt uns letztendlich auch an die technische Grenze des derzeitigen CCS-Protokolls, denn diese Nummern müssen bei CCS in das 8-stellige Rufzeichenfeld passen, incl. der bei Hotpots zusätzlich erforderlichen Modul-ID.

Registriert werden diese IDs bei 2 (DMR-)Registrierungsservern, einem in USA für die Kontinente/MCC-Bereiche 3, 4, 5 und 7 und einem in Europa für die MCC-Bereiche 2 (Europa) und 6 (Afrika).
Diese Registrierungssysteme benutzen synchronisierte Datenbanken.
Das Europäische System ist zudem mit dem Datenbanksystem des DMRplus-Netzes verbunden und Voraussetzung dafür, dass ein Benutzer geroutet wird. Es versorgt alle DMRplus-Master und Gateways regelmässig mit aktuellen Repeater- und User-Listen, sowohl aus dem Europäischen- als auch aus dem US-System.

Wir haben uns entschieden diese DMR-IDs auch als Basis-ID für DSTAR zu verwenden.
Da es DSTAR-spezifische Erweiterungen gibt haben wir zur Vermeidung von Verwirrung die in der Regel 7-stellige CCS-ID "CCS7" genannt.

Einige Vorteile:


Konsequenzen:
In der Praxis ändert sich für den DSTAR-Benutzer fast nichts, ausser die CCS-ID selbst.
Bleibt man bei der Adressierung eines Gesprächspartners/Repeaters/Hotspot-Moduls im eigenen Land - was bei den weitaus meisten Verbindungen der Fall ist - reicht weiterhin die Eingabe eines 4- bzw. 5-stelligen Codes.
Das CCS-System übernimmt den MCC (Mobile Country Code / die ersten 3 Ziffern) automatisch vom Absender wenn er nicht eingegeben wird.
Beispiel:
DL5DI hat die DMR-ID 2625007 (mit dem MCC = 262 für DL)


Das Adressieren von Repeatern und deren Modulen, Hotspots und deren Modulen bleibt alles wie bisher, wir werden darauf zu einem späteren Zeitpunkt mit Beispielen eingehen und bestehende Dokumentationen anpassen.
Die ID wird nur dann länger, wenn man eine Adresse ausserhalb des eigenen Landes anspricht.
Die alten 4-stelligen CCS-IDs sind im neuen CCS7-Netz nicht weiter nutzbar. Sie können nicht zu einer neuen aufgewertet werden, da sie bei diesem Konzept in der Regel mit existierenden DMR-IDs kollidieren.
Wer bereits eine DMR-ID hat, muss sich für CCS7 nicht mehr registrieren, die niedrigste DMR-ID ist automatisch die CCS7-ID!

DSTAR-Gateways
DSTAR-Gateways bekommen ihre CCS7-ID automatisch zugewiesen nachdem sie sich das erste mal am CCS7-/DCS-Netz angemeldet haben.
Voraussetzung ist, dass das Gateway zuvor an einem anderen Netz registriert wurde, entweder für DSTAR am US-Trust oder im ircDDB-Netz oder als DMR-Repeater.
Nach diesem ersten Kontakt dauert es bis zu etwa 1 Stunde bis die Registrierung überprüft, die ID im Netz verteilt ist und die DCS-Server den Zugang von Benutzern dieses Gateways zulassen.

CCS7-IDs der Gateways haben einen etwas anderen Aufbau als die von Benutzern:
Die Adresse beginnt immer weltweit mit dem Prefix "8", gefolgt vom landesspezifischen ITU-MCC und einer 3-stelligen individuellen Nummer.
Das System vergibt die Adresse automatisch, es gibt keine Wunsch-IDs und keine Ausnahmen.
Sollte eine DMR-ID zum gleichen Call bereits existieren und die entsprechende CCS7-ID mit der "8" voran noch frei sein, wird sie zugewiesen, ansonsten die nächste freie Adresse.
Für die Repeater-Module werden dann die Buchstaben A-D in gewohnter Weise angehängt.
Wer andere Buchstaben verwendet, wird damit nicht arbeiten können, wir unterstützen nur die per DTMF verfügbaren Zeichen.
Eine CCS7-ID eines DSTAR-Repeaters sieht also so aus: 8(262)520B

Zeitplan / Aktueller Stand:
Zur Einführung des Systems musste die Software aller Systeme, die CCS nutzen, angepasst werden.
Wir haben mit den neuen DV4mini Hotspots Dongles begonnen.
Inzwischen sollte alle Systeme umgestellt sein.
Protokoll-Spezifikation für Entwickler wurden angepasst und können auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden (in englischer Sprache).
CCS7-IDs sind Zugangsvoraussetzung zu unseren Internet-Diensten, wie den Reflectornetzen für DSTAR (DCS), Netfusion (FCS) und P25 (PCS).

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass DMR-IDs nicht irgendeine Nummer sind, die man sich aussuchen kann.
Unsere Netze werden international genutzt und in vielen Ländern ist die eindeutige und öffentlich einsehbare Registrierung und Zuordnung von Callsign und ID Voraussetzung für den Einsatz dieser digitalen Betriebsart.
Die DMR-ID repräsentiert in diesen Systemen das amtlich zugewiesene Rufzeichen!


Stand: 20. November 2015

73 de Torsten DG1HT und Hans-Jürgen DL5DI